Von einem, der auszog, die Community am Publizieren zu beteiligen

Mit dem Erfolg und der zunehmenden Konkurrenz von Self-Publishern testen Verlage neue Lese- und Schreiborte im Netz, mit der Hoffnung, frühzeitig talentierte Autoren aufzuspüren und neue Bestseller zu platzieren. Auf LYX Storyboard möchte der Egmont Verlag ab Frühjahr 2014 Leser und Autoren zusammenbringen. Statt Programm- oder Verlagsleitung sollen hier die Leser entscheiden, wer einen Verlagsvertrag bekommt. Als Portalmanager treibt Dennis Schmolk seit September 2013 die Entwicklung der Plattform voran. Ich habe ihn gefragt, was das Besondere an LYX Storyboard ist und was ihn daran begeistert.

Was macht eigentlich ein Portalmanager?

Ich begleite LYX Storyboard von der Konzeption über die Entwicklung bis in den späteren Einsatz. Das heißt, ich koordiniere verschiedene Abteilungen und Dienstleister, entwickle und begleite Marketing-Ideen, kümmere mich um Sorgen und Nöte der User und überlege, welche Features wir in künftigen Versionen anbieten könnten. Dabei bin ich natürlich nicht alleine – Sabine Glitza, Digital-Programmleiterin, und Tamara Ginsberg sind ebenfalls im LYX Storyboard-Team, kümmern sich aber zusätzlich um andere digitale Projekte.

Warum wurde LYX Storyboard erfunden?

Bei der Gründung und der ersten Grobkonzeption war ich noch nicht dabei, aber ich fasse es einmal zusammen, wie ich es sehe: Wir möchten sowohl das Digitalgeschäft als auch den digitalen Dialog fortsetzen und verstärken. Wir wollen unsere große Facebook-Community (aktuell  17.000 Fans) mit Autoren und Texten zusammenbringen – und dabei natürlich auch neue Inhalte für das LYX.digital-Programm entdecken.

Was ist bei euch anders als bei bereits bestehenden Plattformen wie z.B. neobooks?

Wir sind kein Self-Publishing-Dienstleister, der die Konversion in E-Book-Formate besorgt und Vertriebswege stellt. Wir wollen Autoren eine einfache Möglichkeit bieten, ihre eigenen Texte einer Leserschaft zugänglich zu machen, die ähnliche Interessen hat. Wir wissen, dass die LYX-Fans aktiv und kreativ sind. Dass es bei uns, ähnlich wie bei neobooks, einen Verlagsvertrag zu erringen gibt, ist nur das Sahnehäubchen; im Zentrum steht der Austausch der Community über Texte. Wir wollen natürlich auch die schreibenden Fans ermutigen, ihre Leistungen zu veröffentlichen und zur Diskussion zu stellen. Zudem verzichten wir bewusst auf die Rolle des Gatekeepers. Bei uns bestimmt die Community über das LYX Talent, das einen LYX.digital-Vertrag erhält, und nicht die Redaktion.

Und genau das macht uns für unsere (!) Autoren attraktiv: Die Zielgruppe, also Fans der Genres Romance, Thriller, Fantasy, historischer Roman und Frauenunterhaltung, ist bei uns schon da, kommt zu Wort und wird gehört. Die Autoren und Leser auf unserer Plattform sind nicht weit auseinander, die Übergänge beider Gruppen fließend und das gemeinsame Interesse gegeben. Wir wollen bewusst keine weitere Vertriebsplattform aufbauen, sondern unseren Fans einen Kosmos bieten, in dem sie ihre Kreativität leben können.

 Was wird LYX Storyboard in 5 Jahren sein?

Fünf Jahre sind eine lange Zeit in digitalen Maßstäben; fünf Jahre umfassen ein bis zwei Lebenszyklen durchschnittlicher Startups vor der Pleite oder vor dem Aufkauf. Vulgo: Ich weiß es nicht. Wenn ich mir etwas wünschen sollte, wäre es, dass LYX Storyboard in fünf Jahren eine florierende, sympathische und einzigartige Community ist, die starke und erfolgreiche Produkte hervorgebracht, den einen oder anderen Star geboren hat und weiterhin neue Ideen entwickelt. Ich weiß, das ist reichlich abstrakt, aber wir haben ja noch nicht einmal Version 1.0 gelauncht – von Zukunftsmusiken sind wir also noch recht weit entfernt. Jetzt gilt es erst einmal, die Plattform auf den richtigen Weg zu bringen – und viele Autoren und Leser zu gewinnen!

Was begeistert dich an diesem Projekt?

Ich hoffe, dass LYX Storyboard innovative Texte hervorbringen wird. Das digitale Publishing steht vor diversen, wohl bekannten Herausforderungen, und wird diesen nur begegnen können, wenn sich Prozesse und Produkte gleichermaßen ändern. In meiner Abschlussarbeit in Buchwissenschaft habe ich schon 2011 geschrieben: „Das Bild des einseitig produzierenden und seine Produkte bewerbenden Unternehmens und des einseitig konsumierenden und von der Werbung informierten Kunden ist veraltet. Nutzer wollen an der Produktion, der Weiterentwicklung und der Distribution von Inhalten teilhaben.“ Nun sehe ich meine Chance, daran mitzuwirken. Das begeistert mich.

Vielen Dank für deine Zeit!

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