Gesa Kunter lektoriert „Ich bin leider tot und kann heute nicht in die Schule kommen“

Lektoren bringen Bücher auf die Welt. Sie suchen nach Geschichten, die uns begeistern und arbeiten mit Autoren und Übersetzern, bis die Manuskripte perfekt sind. Auf ihren Schreibtischen entstehen heute die Bücher, die wir erst in einigen Monaten in Buchhandlungen, auf Blogs oder in Leserunden entdecken werden. In der Interview-Reihe „Die nächste Literatur“ geben Lektoren Einblicke in die Bücher von morgen. Gesa Kunter, Lektorin beim Carlsen Verlag, verrät, auf welches Jugendbuch wir uns im Herbst 2014 ganz besonders freuen dürfen. 

In welchem Projekt steckst du gerade?

Gerade habe ich eine tolle schwedische Lizenz für das Carlsen Taschenbuch lektoriert: „Ich bin leider tot und kann heute nicht in die Schule kommen“ – ein Debütroman der Autorin Sara Ohlsson über das Liebesleben einer Siebzehnjährigen, die zwischen ihrem überperfekten Ex-Freund und überraschend attraktiveren Affären ins Schleudern gerät.

 Was ist das Schönste und was das Kniffligste an deiner Arbeit?

Das Schönste ist vielleicht auch das Kniffligste: Beim Entstehen eines Buches die richtigen Entscheidungen zu treffen: Welches Cover würde zu welchen Lesern passen, welcher Autor zu welchem Illustrator, welcher Übersetzer zu welchem Stoff…? Aber wenn dann alles passt, ist es einfach großartig, mit allen Beteiligten zusammen ein Buch zu machen.

Was für Bücher betreust du als Lektorin?

Ich habe bei meinen bisherigen Verlagsstationen, bei Bloomsbury, Kosmos und jetzt bei Carlsen, ganz unterschiedliche Bucharten betreut: Bilderbuch, Hartpappe, erzählendes Kinderbuch, Sachbuch, Jugendbuch … von deutschen Autoren oder aus anderen Ländern, hier neben dem englischsprachigen Raum besonders Skandinavien. Ich mag beides: Originalausgaben mitentwickeln und besondere Titel in anderen Sprachen finden.

Warum ist dieses Buch etwas Besonderes?

„Ich bin leider tot und kann heute nicht in die Schule kommen“ liest sich wunderbar leicht, man wird gut unterhalten, es ist witzig – und erst mittendrin merkt man plötzlich, wieviel so ganz nebenbei eigentlich an großen Themen aufgeworfen wird. In diesem Fall die Frage nach den unterschiedlichen Zugeständnissen, die man Mädchen und Jungen macht, wenn es um Sex haben und Verliebtsein geht – oder das eine ohne dem anderen. „Darf“ ein Mädchen eigentlich genauso viel wie ein Junge, ohne das Ansehen zu verlieren? Trotzdem absolut erfrischend erzählt, ganz lebensnah und ohne moralischen Unterton. Vielleicht auch typisch schwedisch finde ich außerdem die Offenheit, was die Leserschaft angeht: kein klassisches Jugendbuch, sondern ein Text, der auch für 20-30-Jährige reizvoll ist – also wirklich ein bemerkenswerter Roman, der sich ganz unauffällig über viele Grenzen hinwegsetzt!

Welche Leser dürfen dieses Buch auf keinen Fall verpassen?

Alle Leser, die auf dieses Buch schon allein wegen seines Titels so neugierig sind, wie ich es war!

 

Mehr über die Lektorin: Für ihre Arbeit beim Carlsen Verlag liest sich Gesa Kunter durch die Kinder- und Jugendliteratur aus England, Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden, um die schönsten und spannendsten Bücher für die deutschen Leser/innen herauszufischen. Außerdem übersetzt sie selbst aus dem Skandinavischen und Englischen, zuletzt das Buch „Als würde man mit den Fingern schnipsen und schon ist es vorbei„.

Mehr über das Buch: Sara Ohlsson: Ich bin leider tot und kann heute nicht in die Schule kommen, Carlsen Taschenbuch. 11,99 €, übersetzt von Birgitta Kicherer. Erscheint im September 2014.

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