Charlotte Reimann auf der Kulturkonferenz des Kreises Plön, Oktober 2022

Kulturkonferenz entwickelt Visionen für den Kreis Plön

Kulturakteure wünschen sich weniger Bürokratie und mehr Freiheit

Bei der diesjährigen Kulturkonferenz des Kreises Plön am 24. Oktober 2022 in Hohwacht durfte ich die Arbeit der Landesgruppe SH der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. vorstellen und über die Herausforderungen von Kulturarbeit in ländlichen Räumen sprechen. Die Kultur im ländlich geprägten Kreis Plön ist vorwiegend ehrenamtlich organisiert. Ohne Mathias Wolf, den ehrenamtlichen Kreiskulturbeauftragten, hätte es auch keine Konferenz gegeben. Der Künstler hat die 4. Kulturkonferenz im Kreis Plön vorbereitet und Kulturakteure und Politiker*innen aus dem gesamten Kreis dazu eingeladen.

Kreispräsidenten Stefan Leyk hielt zu Beginn ein kurzes Grußwort. Als Kuratorin des Preetzer Lesefests und der Preetzer Lesewerkstatt sprach ich über die Herausforderungen bei der Umsetzung und skizzierte am Ende meines Vortrags eine Vision für die Zukunft der Leseförderung im Kreis. Heike Müller berichtete über den Start und die Vernetzungsarbeit des Kulturknotenpunkt Ost in Oldenburg in Holstein. Grit Wenzel, Geschäftsführerin der Tourismus GmbH Hohwacht, stellte in ihrem Vortrag die beeindruckende Zahl der Kulturangebote in Hohwacht vor: Jährlich finden in dem Ostseebad mit knapp 900 Einwohnern rund 260 Kulturveranstaltungen statt. In Kleingruppen diskutierten die rund 50 Teilnehmenden im Anschluss über die Chancen der Vernetzung, die Möglichkeiten, die der Tourismus bietet und die Herausforderungen für Kultur im ländlichen geprägten Kreis Plön.

Mathias Wolf (links) organisierte als ehrenamtlicher Kulturbeauftragter die Kulturkonferez im Kreis Plön.

Die größte Herausforderung ist das Geld

Im Anschluss an meinen Vortrag moderierte ich einen Austausch über die Herausforderungen für Kultur im Kreis Plön. Die meisten der Teilnehmenden empfanden die Finanzierung von Kultur als die größte persönliche Herausforderung. Beklagt wurde der Publikumsrückgang von über 80% bei gewerblichen Kulturveranstaltungen im Kreis Plön seit der Pandemie. Die Veranstalter seien nicht mehr in der Lage die Honorare und Reisekosten für die Künstler*innen zu tragen. Sie fordern daher Fördergelder auch für nicht gemeinnützige Kulturveranstalter. Kritisiert wurden auch die starren Kriterien für eine Anerkennung und Förderung als soziokultureller Ort, beispielsweise für das Kindertheater des Monats oder die Strukturförderung Soziokultur des Landes. Die Kulturakteure im Kreis Plön wünschten sich außerdem weniger Bürokratie bei der Beantragung von Fördergeldern, mehr Durchblick bei den vielen verschiedenen Förderprogrammen sowie eine flexiblere Förderung nach tatsächlichen Bedarfen.

Weitere Herausforderungen, die von den Teilnehmenden genannt wurden:

  • Entfernung / Mobilität
  • Mangelnde Wertschätzung
  • Relevanz von kultureller Bildung für Kinder wird nicht erkannt
  • Fehlende Werkstätten für die Verstetigung kultureller Angebote
  • Fehlende interkulturelle Vernetzung

Gelobt wurde hingegen die Arbeit der Kulturvermittlerinnen im Kreis. Gut funktioniert auch die Vernetzung im Kleinen vor Ort.

Farangis Sawgand (rechts) möchte eine Kulturhaus mit interkulturellem Programm gründen

Visionen für die Kultur von morgen

Besonders beeindruckt war ich von den vielen großartigen Ideen, die die verschiedenen Teilnehmenden – an Politik und Verwaltung gerichtet – in der knappen Zeit von einer guten Stunde zusammentrugen.

Ideen und Wünsche an die Politik:

  • Ein Kulturcamp für Kinder
  • Die Gründung eines Vereins, der den Kulturakteuren im Kreis die Beantragung von Fördergeldern ermöglicht
  • Eigene kreative Lösungen auf die aktuellen Herausforderungen finden
  • Eine kulturelle Start-up-Förderung mit Risikokapital für Kulturprojekte, die auch scheitern dürfen
  • Einen Kulturfonds in Höhe von 200.000 Euro zur Kreativitätsförderung
  • Kreativitätsfördernde Freiräume
  • Eine „Kulturklausel“ bei Beschlüssen im Kreistag
  • Ein Kulturhaus mit Café und interkulturellen Angeboten
  • Eine hauptamtliche Netzwerkstelle Kultur für den Kreis Plön

Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass die Kulturkonferenz eine wichtige Plattform für den Austausch der Kulturakteure im Kreis Plön darstellt. Der Wunsch nach Vernetzung und Austausch ist vorhanden. Nun braucht es noch ein Format, um die auf der Kulturkonferenz gesammelten Wünsche und Ideen erfolgreich weiterzuverfolgen und in die Politik zu tragen.

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse der Kulturkonferenz des Kreises Plön werden in Kürze veröffentlicht.

Wer sich vernetzen möchte, kommt zum Kunst- und Kulturstammtisch im Kreis Plön im Lutterbeker in Lutterbek. Interessierte sind herzlich willkommen!

Kontakt: Mathias Wolf, m.wolf-art[at]t-online.de

Fotos: Farangis Sawgand