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Schöne Aussichten: Eine Welt voller Verleger

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Google macht die E-Books zum ARG Ingress lieber selbst.

Es ist nicht nur der Kampf zwischen Autoren- und Verlagsmarken, der Verleger im digitalen Zeitalter herausfordert. Auch Unternehmen aus anderen Branchen wildern zunehmend im wichtigsten Erlösfeld traditioneller Buchverleger. Amazon hat eigene Lektoren eingestellt. Google engagiert den New York Times Bestsellerautor Thomas Greanias, um die E-Books zum Alternate Reality Game Ingress schreiben zu lassen – statt die Lizenz an einen Verlag zu vergeben. 

Die App befindet sich zwar noch in der Betaphase, ist aber bereits Kult. Eine Umfrage meinerseits ergab großes Interesse der Ingress-Community an den E-Books. Insbesondere, wenn tatsächlich Passcodes zum Spiel eingebunden sind, könnten die Bücher zum Verkaufsschlager werden. Ohne die Beteiligung von Verlagen versteht sich. Meinen tollen Einfall mit dem Ingress-Ratgeber kann ich mir also gleich wieder abschminken.

 

Auch andere können E-Books

Auch Zeitungsverlage haben das E-Book-Format als Verwertungsmodell entdeckt. Die Zeit veröffentlicht nicht mehr nur gedruckte Bucheditionen, sondern eigene E-Books. Der Spiegel Verlag verkauft neuerdings als E-Books aufbereitete Inhalte für 0,99 Euro. Buchverlage müssen also aufpassen, dass sie ihre bislang unangefochtene Verlegerrolle und ihr wichtigstes Geschäftsmodell nicht verlieren. Sie müssen darüber nachdenken, wie sie gute Autoren finden und welchen Mehrwert sie ihnen bieten können. Die Selfpublishing-Plattform neobooks und die Bastei Lübbe Acadamy sind hier interessante Ansätze.

Auffindbarkeit und Präsenz im Netz noch ausbaufähig

Genauso wichtig ist jedoch die unkomplizierte Auffindbarkeit der Bücher im Netz. Hier hinken Verlage noch hinterher, wie Sam Missingham am Beispiel Enhanced E-Books und Buch-Apps zeigt. Erst langsam richtet sich der verlegerische Blick vom stationären Handel als bislang wichtigstem Absatzweg auf Foren, Blogs, Landingpages und SEO. Was hilft eine schöne teure App, die nicht im Netz gefunden wird? Hier sind Internetunternehmen wie Amazon und Google klar im Vorteil. Die meisten Verlage verfügen kaum über ähnlich potente Communities, Netzwerke oder Kundendaten. Was attraktive und soziale Lese-, Stöber- und Verweilzonen im Netz betrifft, hat LovelyBooks, die Buchplattform der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die Nase vorn.

Chancen für junge Verleger

Der Medienwandel eröffnet zugleich aufregende Möglichkeiten für all die jungen Geisteswissenschaftler, die heute noch als Praktikant am Kopierer stehen und vergeblich auf einen festen Job in der Branche warten. Um die oben skizzierten Probleme zu bewältigen, suchen Verlage bei Recruiting-Days vor allem „Techies“, Marketing– und Betriebswissenschaftler – keine Geisteswissenschaftler. Ob das die richtige Strategie ist, mag bezweifelt werden.

 

Trotzdem ist Verlegen für engagierte und einfallsreiche Menschen im digitalen Zeitalter einfacher denn je, wie das jüngste Beispiel des Berliner E-Book-Verlags mikrotext zeigt. Im März 2013 gestartet, will die Gründerin nicht einfach „Verlagsinhalte ins E kippen“. Erfinderisch schafft Nikola Richter ein neues literarisches Format, indem sie etwa aus dem Mitschnitt eines Telefongesprächs mit Alexander Kluge ein E-Book macht.

Daher auch mein Appell an den Nachwuchs: Bewegt euch mutig raus aus der Komfortzone! Und wer selbst keinen eigenen Verlag gründen möchte, auch andere Branchen werden gut ausgebildete Menschen brauchen, um ihren Content zu kuratieren und ihre Marken zu inszenieren. Schöne Aussichten für Young Publishers.

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6 Kommentare

  1. Die Idee von mikrotext, am Puls der Zeit und aus ihren Netzwerken heraus, Bücher zu publizieren finde ich faszinierend. Unsere Generation ist zum Veröffentlichen nicht mehr auf verkrustete Verlagsstrukturen angewiesen, sondern kann mit Zeit, Ideen und einem funktionierenden Netzwerk viel schneller agieren. Hier kann meiner Meinung nach noch viel mehr passieren. Aber vielleicht publiziert die Generation Y lieber auf YouTube? Dann wäre es im Fall von mikrotext vermutlich ein Google Hangout mit Alexander Kluge geworden ;) Aber wie ließe sich das dann monetarisieren? Hier braucht es dringend mehr Geschäftsmodelle …

  2. Naja, wenn Alexander Kluge schon spricht wie gedruckt, warum dann der Medienwechsel ins E-Book-Format? Im Netz ist YouTube schließlich DAS Medium überhaupt. Google Hangout ist zwar im Ergebnis nicht so schön wie ein professionell gedrehtes Video, entspräche aber genau der unkomplizierten Gesprächssituation, wie du sie geschildert hast. Eine Zusammenstellung von Facebook-Postings sehe ich dagegen auch zuerst im E-Book (wobei eine Vertonung bei verschiedenen Kommentaren sicherlich auch interessant wäre ;)

  3. Pingback: 24. März 2013: mikrotext ist erfinderisch — mikrotext

  4. Pingback: Eine Kritik und Vision für junge Verleger - Blogparade: Die “Neuen” – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche | Charlotte Reimann

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