„Wir suchen nach dem Schönen und Originellen.“

Seit über zehn Jahren befüllen Marc Degens, Frank Maleu und Torsten Franz erfolgreich Süßwarenautomaten mit Literatur. Jetzt sind sie die Ersten, die einen Shop für E-Books aus Indieverlagen im Netz eröffnet haben. Nach den zahlreichen Neugründungen von E-Book-Verlagen im vergangenen Jahr ein naheliegender Schritt. Ich  habe die Gründer, selbst Verleger, gefragt, wie es dazu kam und was sie mit Minimore noch alles vorhaben.

Was gab den Ausschlag für eine verlagsübergreifende E-Book-Boutique?

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Marc Degens, Foto: Martina Steber

Marc Degens: Seit vier Jahren veröffentlichen wir in unserem Verlag SuKuLTuR kurze, preiswerte E-Books und vertreiben sie in unserem eigenen Verkaufs-Shop. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich einige E-Books sehr gut verkaufen, andere gar nicht. Vor allen Dingen auf den großen Verkaufsplattformen gehen diese E-Books in der Titelflut oft unter. Ich glaube, dass es zur Zeit noch schwieriger ist, für E-Books Aufmerksamkeit zu erzeugen als für gedruckte Bücher. Weil es, anders als im klassischen Buchhandel, keine engagierten Buchhändler gibt, die sich auskennen, auswählen und für das Ungewöhnliche einsetzen. Mit Minimore wollen wir diese Lücke schließen. Und zwar in dem Bereich, in dem wir zu Hause sind, also bei den Kleinverlagen und Indiebooks. Minimore ist kein vollautomatisiertes Kaufhaus, das so viele E-Books wie möglich anbietet, sondern eine Boutique für das Außergewöhnliche

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Frank Maleu

Frank Maleu: Ich denke, dass die Zeit für eine schöne E-Book-Boutique reif ist. In den letzten zwei Jahren sind wahnsinnig viele tolle E-Book-Verlage und Projekte entstanden, die mehr Aufmerksamkeit verdienen. Wahrscheinlich aber reicht es nicht aus, dass jeder Verlag einfach nur seinen eigenen Webshop aufsetzt, ich denke, da kann man noch viel mehr tun und sollte Kräfte bündeln. Wir nennen Minimore deshalb eine Boutique, weil es mehr ist als eine Verkaufsplattform und ein weiterer Webshop. Tatsächlich gibt es viele Parallelen zu einer realen Boutique. Wir suchen nach dem Schönen und Originellen, wählen sorgfältig aus und präsentieren die E-Books hübsch. Und das alles in Handarbeit.

Was verbirgt sich hinter dem Namen Minimore und was bedeutet das Logo?

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Eine Boutique für außergewöhnliche E-Books

Marc Degens: Der Name hat einen schönen Klang und bedeutet für uns so viel wie »klein und fein«. Außerdem erinnert der Name an das Gedicht »The Raven« von Edgar Allen Poe. Then the bird said Nevermore. Und deshalb haben wir als Logo einen stilisierten, schwarzen Vogel entworfen. Es könnte aber auch ein Sputnik sein oder eine Zeckenzange, wie auch schon vermutet wurde.

Frank Maleu: Bei dem Logo hat wohl jeder seine eigenen Assoziationen. Der Vogel hat jedenfalls mit seinem spitzen Schnabel die besten Voraussetzungen, nur das Beste herauszupicken.

Wie lange hat es gedauert von der ersten Idee bis zum Launch?

Marc Degens: An einem Sonntagabend im Oktober letzten Jahres saßen wir zusammen in der Küche in Hermsdorf und hatten die Idee, eine E-Book-Boutique zu entwickeln. Und an diesem Abend fiel uns auch der Name ein: Minimore. An den Start gingen wir dann fünf Monate später, am 15. März 2014 zur Leipziger Buchmesse.

Wie viel Startkapital habt Ihr in den Shop investiert und wie sieht Euer Erlösmodell für Publisher aus?

Frank Maleu: Die Technik, die hinter Minimore steckt, war nicht teuer. Wir konnten auch nicht viel Startkapitel einsetzen, weil wir kaum Startkapital hatten. Aber was wir hatten, war unser Knowhow. Seit fünfzehn Jahren arbeiten wir drei zusammen, verwirklichen Bücher und realisieren Internetprojekte. Zusammen haben wir Minimore entwickelt, programmiert und angepasst. Wir kümmern uns zu dritt um das Design, gestalten das Logo, arbeiten an den Verträgen und entwickeln Abrechnungs-Tools. Wir müssen es selbst tun, weil Minimore ansonsten unbezahlbar wäre. Bei den Erlösen war es uns wichtig, die Verlage fair und gerecht zu beteiligen. Wir selber haben schon Abrechnungen von E-Book-Shops erhalten, bei denen teilweise nur knapp ein Drittel an uns ausgeschüttet wurde. Wir bemühen uns daher, unsere laufenden Kosten so gering wie möglich zu halten, damit wir so viel wie möglich an die Autoren und Verlage weitergeben können.

Mit Minimore wollt Ihr die Sichtbarkeit für E-Books aus unabhängigen Verlagen verbessern. Wie soll das gelingen, habt Ihr besondere Maßnahmen geplant, um die Boutique bekannt zu machen?

Marc Degens: Die Grundvoraussetzung für den Erfolg ist es, die E-Books gut zu präsentieren. Auf jeden Fall schöner als anderswo. Nur so fühlen sich die Verlage und Autoren bei uns wohl. Und auf sie sind wir angewiesen, auf ihre Hinweise und Links. Deshalb geben wir uns viel Mühe mit den Beschreibungen, der Katalogisierung und der Gestaltung. Social Media ist wichtig, Twitter, Facebook, Tumblr, aber auch Werbung. Auf allen über 6.000 satt.org-Seiten haben wir deshalb Banner-Werbung geschaltet und in der nächsten Ausgabe von Bella triste erscheint eine Minimore-Anzeige. Diesen Bereich wollen und müssen wir noch ausbauen. Mit Medienpartnerschaften und Anzeigen.

Frank Maleu: Am wichtigsten sind aber unsere Leser und Kunden. Nur wenn sie zufrieden sind, kommen sie wieder und empfehlen uns weiter. Deshalb versuchen wir den Bestell- und Bezahlvorgang so angenehm und einfach wie möglich zu gestalten.

Ausgewählte Verlage, „die für Qualität und Innovation stehen“, sind bei Euch willkommen. Gilt dies auch für Self-Publisher?

Marc Degens: Auf jeden Fall. Früher war es bestenfalls so, dass ein Verlag von einem Autor alles gedruckt hat. Romane, Theaterstücke, Lyrik. Doch das ist schon lange nicht mehr so. Einige der auf Minimore präsentierten Autoren veröffentlichen ihre Bücher nicht nur in verschiedenen Verlagen, sondern auch schon als E-Book im Selbstverlag. Ich denke, dass die Anzahl der Selfpublishing-Bücher in den nächsten Jahren noch beträchtlich wachsen wird. Mit Minimore bieten wir ausgewählten Büchern und Autoren dafür ein Podest.

Wo und was soll Minimore in einem Jahr sein?

Marc Degens: Ich denke, dass Minimore in einem Jahr etwa 40 Verlage und 500 E-Books präsentieren wird, darunter auch Comics.

Frank Maleu: Wir drei haben eine Menge Ideen im Hinterkopf. Ganz wichtig im Moment ist es auch, die Bedienungsfreundlichkeit von Minimore weiter zu verbessern. Aus diesem Grund freuen wir uns über Kritik und Verbesserungsvorschläge und nehmen sie sehr ernst.

Vielen Dank für Eure Zeit und viel Erfolg mit Minimore!

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1 Kommentar

  1. Naja, 500 Bücher sind nicht die Welt und ‚minimore‘ klingt auch eher ein bisschen wie ‚minimal‘. Aber wir werden die Jungs im Auge behalten…

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