Screenshot der Microsite zum Roman "Transatlantik"
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Microsites für Bücher – lohnt sich das?

Jedes Buch ist einzigartig. Inhalt, Schrift, Papier, Umschlag, Cover und Titel werden in einem oft monatelangen Prozess ausgewählt, aufeinander abgestimmt und schließlich lektoriert, gedruckt und gebunden. Grafiker und Hersteller haben ihr Bestes gegeben, um den Inhalt in perfekter Form zu präsentieren. Entdeckt der Kunde dieses Buch im Laden, kann er es in die Hand nehmen, sein Gewicht spüren, die Größe erfassen. Das Papier fühlt sich gut an, vielleicht ist der Titel sogar geprägt und er kann ihn mit dem Zeigefinger nachfahren.

Das Buch von seiner besten Seite

Zugegeben, im Onlineshop ist das mit der Haptik etwas schwieriger. Trotzdem gibt es Produktseiten (z.B. die des iPhones), die zeigen, dass sich Produkte großartig im Netz präsentieren lassen. Gute Produktfotos, Videos, Inhaltsangaben, Leserstimmen, Leseproben und der Blick ins Buch sind natürlich die Voraussetzung, um den Lesern eine Vorstellung des Buches zu vermitteln. Eine in der vergangenen Woche vorgestellte Studie zur Produktdarstellung der Verlage im digitalen Handel kommt jedoch zu dem ernüchternden Schluss, dass Verlage die Möglichkeiten zur Produktpräsentation (zumindest auf Amazon) bislang nur unzureichend nutzen und damit Umsatz verschenken. Nach Ansicht der Studienautoren kann eine gute Produktbeschreibung den Verkaufsrang um bis zu  51 Prozent, attraktive Zusatzmaterialien können ihn sogar um bis zu 87 Prozent verbessern.

Eine URL für das Buch

Eine spezielle Microsite für ein Buch kann daher eine ausgezeichnete, wenn auch aufwendige Möglichkeit sein, um ein Buch unabhängig von Amazon ins Netz zu bringen und mit Online-Marketing-Kampagnen und sozialen Netzwerken zu verknüpfen. Als Ergänzung zur Verlagswebseite eignet sich die Microsite mit ihrer thematischen Fokussierung perfekt für eine Werbekampagne im Netz. Die Microsite des Ullstein Verlags zum Sachbuch Darm mit Charme, das momentan die Spiegelbestsellerliste anführt, versammelt Videos, Termine, Leseprobe und Autoreninfos. Die Seite ist inhaltlich wie gestalterisch eher unaufgeregt, aber sie verleiht dem Buch eine URL und platziert es in den Google-Suchergebnissen noch vor Amazon und vor der Verlagswebseite.

Für jedes Buch ein individuelles Konzept

Der Rowohlt Verlag ist einer der Vorreiter in der Verlagswelt, was Blogs und Microsites für Bücher betrifft. Online-Marketing-Chefin Jennifer Jones ist bemüht, jedem Online-Projekt mit einem individuellen Konzept gerecht zu werden. Die jüngste Microsite zum Buch Transatlantik von Colum Mc Cann nutzt den neuen Webdesign-Trend des Parallax-Scrollings. Dabei bewegen sich einzelne Ebenen einer Website unterschiedlich schnell, sodass beim Betrachter ein Eindruck von Tiefe entsteht. Nicht jeder mag diese Art der User Experience, doch eignet sie sich, um Geschichten und Bilder eindrucksvoll und zeitgemäß in Szene zu setzen. In diesem Fall wechseln atmosphärische Fotos mit Textstellen und Zitaten aus dem Buch, die zum Teilen in sozialen Netzwerken einladen.

WordPress-Blogs

Doch es geht auch viel einfacher, nämlich im typischen WordPress-Design. Der Blog zum Krimi Das Krokodil von Maurizio de Giovanni thematisiert in Textstellen, einem Interview und einem Gewinnspiel (bei dem man eine Espressomaschine gewinnen kann) den Schauplatz und Tatort Neapel. Beim Blog zu Sheila Hetis neuem Buch arbeitet der Rowohlt Verlag mit Bloggern zusammen, die auf die Frage des Buches, „Wie sollten wir sein?“ antworten. Für sein Buch Treibland hat Autor Till Raether die Fotos seiner Recherche auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem  gleichnamigen Blog veröffentlicht. Mit entsprechenden Textstellen und persönlichen Kommentaren versehen, bietet der Blog mehr als das übliche Pressestimmen-Gewinnspiel-Interview-Einerlei.

Die Vorteile einer Microsite

Eine Microsite ist eine schlanke Webseite mit wenigen Unterseiten. Auf unwichtige Links und Verweise wird verzichtet. Dafür stehen der Inhalt und Call-to-Action-Elemente (z.B. Lieblingszitate teilen) im Vordergrund. Aus SEO-Sicht sind Microsites für einen Verlagsauftritt nicht unbedingt ideal. Die gestalterischen Möglichkeiten auf der Verlagsseite sind allerdings oft eingeschränkt. Microsites hingegen bieten:

–          Größere kreative Freiheit, um einem Buch individuell gerecht zu werden
–          Thematische Verdichtung und höheren Nutzwert für den User
–          Raum zur Inszenierung, Emotionalisierung und Markenbildung
–          Bestmögliche User Experience
–          Aushängeschild für den Verlag

Gute Microsites sind aufwendig, aber im besten Fall bieten sie dem Nutzer, beispielsweise durch eine tolle User Experience, persönliche Kommentare des Autors oder interaktive Elemente, einen Mehrwert und dem Verlag ein erfolgreiches Branding. Uninspirierte Microsites wie die Vampirsaga Graf Stanislaw gehören dann hoffentlich der Vergangenheit an. Die unendlichen Möglichkeiten, die Online Marketing für Bücher bietet, werden offenbar gerade erst entdeckt. Dabei ist es längst an der Zeit, dass sich die redaktionelle und gestalterische Liebe, die in Büchern steckt, auch in ihrer Webpräsenz spiegelt.

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3 Kommentare

    • Danke für den Link, Jennifer. „Eene Meene“ ist in Sachen Design, Atmosphäre und Storytelling absolut top – vor allem die Desktop-Variante (Ton an!). Jetzt muss man bloß aufpassen, dass die Webseiten zu Büchern nicht spannender werden als die Bücher selbst :)

  1. Pingback: 10 Best Practices für erfolgreiches E-Book-Marketing | Charlotte Reimann

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